Führung abschaffen? Die 5 häufigsten Irrtümer

Derzeit ist es Mode, die Führung in Unternehmen gänzlich abschaffen zu wollen. Chefs seien ja so lästig und sollten abgeschafft werden, heisst es oft. Die Selbst­organisation wird als alleinig heil­bringendes Universal­mittel gepriesen. Wir zeigen die 5 häufigsten Irrtümer aus der KMU-Praxis und ihre Auflösung.  —  (mit Video)

Sie kennen das: Mitarbeitende schimpfen über die Führungs­kräfte. Wie schlecht die Manager seien. Also: „Schaffen wir doch die lästigen Chefs ab!“, heisst es dann heut­zutage gerne mal! Aber ganz so einfach ist das nicht:

1. Organisationsform ist nie perfekt

Es gibt keine perfekten Organisations­formen. Sie können im günstigsten Fall für den gegebenen Kontext und Zweck optimal sein. Denn jede Organi­sation ist ein Kompromiss verschiedenster, teils auch einander wider­sprechender Anforde­rungen.

Organisationsformen sind immer ein Kompromiss zwischen Dynamik (Flexibi­lität) und Stabilität (Effizienz), zwischen Dezentrali­sierung (Unabhängig­keit) und Zentrali­sierung (Abhängig­keit) und vielem mehr. Und dies kann je Kontext und Zweck des Unternehmens, ob sie ein Industrie­unternehmen oder ein Kreativ-Startup haben, enorm variieren.

2. Selbstorganisiertes Paradies voller Heraus­forde­rungen

Unzählige Autoren schreiben, dass Führung abge­schafft werden soll. Holacracy-Berater referieren über die Selbst­organisation als alleinig heil­bringendes Universal­mittel. Holokratie geht davon aus, dass man Menschen, ihre Bedürfnisse und ihr Ego von ihrer Rolle trennen kann („dividing role and soul“). Glauben Sie, dass dies wirklich möglich ist?

Wir alle sind uns wohl einig, dass flache, einfach gehaltene Organisations­formen wichtig und richtig sind. Mitbestimmung und Gestaltungs­räume steigern bis zu einem gewissen Punkt den Geschäfts­erfolg. Wird über diesen kritischen Punkt hinaus­gegangen, schlägt es schnell in Endlos­diskussionen, Ineffizienz, Demotiva­tion und Widerstand um.

„Es ist entscheidend, das optimale Mass an Demokra­tisierung systematisch auszu­loten und zu leben.“

3. Abschaffung der Führungs­strukturen erzeugt informelle Führung

Menschen nehmen in einer Gruppe eine bestimmte Rolle ein und verhalten sich dementsprechend. Dabei gibt es auch in den aller­meisten Gruppen­konstella­tionen eine oder mehrere Personen, die automatisch zu „führen“ beginnen. Schafft man formelle Führungs­strukturen ab, werden automatisch informelle Strukturen geschaffen.

Dies nimmt schnell eine Dynamik an, die intrans­parent und damit unkontrol­lierbar wird. Deshalb ist es so wichtig, dass Sie an Ihrer Führung gezielt arbeiten. In der Führungs­entwicklung arbeiten wir darum einem situativen Verhaltens­ansatz und einer stark handlungs­orientierten, wirksamen Methode, dem persolog® Persönlich­keit­smodell (DISG-Assessment).

4. Viele Mitarbeitende wollen nur sehr bedingt Verant­wortung übernehmen

Mitreden und mitentscheiden wollen viele, keine Frage. Doch was passiert denn, wenn Arbeiten schief­laufen und falsche Entscheidungen negative Folgen haben? In Organisa­tionen ohne Führung führt dies schnell zu Unstimmig­keiten, Streit und Intrigen.

Unsere Erfahrung zeigt klar, dass viele Mitarbeitende nur sehr bedingt umfassende Verant­wortung übernehmen wollen. Darum ist es so wichtig, dass Führungs­kräfte jederzeit Verant­wortung übernehmen und eben ihre Mitarbeitenden in Entscheidungs­prozesse konsequent einbinden und ihnen bewusst grösstmögliche Gestaltungs­räume gewähren.

5. Führung an sich ist nicht schlecht, schlecht kann nur die Führungs­kultur sein

Richtig gute Führung ist so wichtig, gibt sie doch Wert­schätzung, Inspira­tion, Orientierung und Sicher­heit. Umso wichtiger, dass die Führungs­kultur, das Führungs­verhalten Ihres Management­teams, sehr gut ist. Denn Unternehmen mit einer sehr guten Führungs­kultur haben:

  • eine tiefere Fluktuation,
  • eine messbar höhere Mitarbeiter­zufrieden­heit,
  • eine entsprechend ebenso höhere Kunden­zufrieden­heit und folglich
  • einen signifikant grösseren Geschäfts­erfolg.

Darum arbeiten Sie systematisch an der Führungs­kultur in Ihrem Unternehmen. Beginnen Sie gleich jetzt mit einem ersten Schritt und kommen Sie ins  T U N !

Video-Blog zu diesem Artikel:

Quelle: Artikel auch erschienen auf it-markt.ch

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