Durchdachte, weitsichtige Unternehmens­strategien haben unzählige KMU erfolgreich gemacht. Aber trotz sorgfältig erarbeiteter Strategie können einige KMU ihren Niedergang nicht abwenden. Oft wird einseitig auf Wachstum gesetzt und die ebenso erforderlichen Überlebenspläne gehen dabei schlicht vergessen.

Neben Strategien, die auf Wachstum, Neu­positio­nierung oder Innovation setzen, braucht es eben immer auch eine Strategie für kritische Situationen. Wer in Szenarien denkt, plant immer auch für den Worst Case. Seit der Aufhebung des Mindestkurses des Frankens zum Euro stehen etliche Unternehmen vor grossen Heraus­forderungen.

Trendwende antizipieren

„Wer die Zukunft richtig voraussagt, der lügt“, besagt ein altes chinesisches Sprichwort. Ob die getroffenen Annahmen eintreffen werden, können selbst Branchen­spezialisten nicht voraussagen. Kurz- und mittelfristig mögen gute Extrapolationen aus fundierten Analysen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit auch tatsächlich eintreffen. Aber wir wissen, dass sich länger­fristig immer wieder Trend­wechsel ereignen. Doch wann, weiss niemand. Dennoch, oder gerade deshalb, tun Unternehmen gut daran, den Fall der Trendwende gedanklich vorweg zu nehmen, zu durchdenken und sich mit ent­sprechenden Strategien dafür zu wappnen.

Zeit

Gute, durchdachte Strategien lassen sich nicht über Nacht erarbeiten. Schwierige oder gar komplexe Zusammenhänge müssen analysiert und Synthesen abgeleitet werden können. Strategiearbeit ist Lernarbeit. Richtige und gute Strategieentwicklung dauert daher stets zwei bis vier Monate und sollte jährlich komplett wieder­holt werden.

Teammix

Teams von fünf bis acht Mitgliedern arbeiten in der Strategieentwicklung meist am wirk­samsten. Das Strategie­team sollte sich aus älteren und jüngeren Mitarbeitenden, aus Mitarbeitenden der Basis und dem Manage­ment, aus Männern und Frauen sowie aus Alteingesessenen und neutralen Unbefangenen zusammen­setzen.

Kreativität, Chancen und Risiken

In der Strategieentwicklung werden Kreativität und eine umsichtige Einordnung von Markt­chancen und Geschäftsrisiken benötigt. Dafür gibt es keine Patentrezepte. Jedoch bringt ein guter Teammix und offene Kommuni­kation die besten Voraussetzungen, den Weg mit den grössten Erfolgs­chancen zu finden:

  • Wie differenzieren wir uns?
  • Wo wollen wir aktiv sein?
  • Wie erreichen wir Wettbewerbs­vorteile?
  • Wie entwickeln wir uns dahin?
  • Wie setzen wir dies um?

(Mehr darüber, wie viel Strategie es wirklich braucht, erfahren Sie hier)

Überlebensplan entwickeln

Unternehmer müssen strategische Erfolgs­positionen aufbauen und im Markt umsetzen. Potenziale und Chancen sollen Erfolg bringend genutzt werden. Nur folgerichtig, dass die Strategien vieler Unternehmen auf Wachstum abzielen. Dabei gehen die ebenso erforder­lichen Überlebens­pläne vergessen oder werden nur halbherzig ausgearbeitet. Was aber, wenn wir in eine Rezession geraten oder sich die Situation sonst wie unvermittelt verschlechtert? Den Fall des Trendwechsels gilt es in der Unternehmensstrategie zu berück­sichtigen. Es stellen sich unter anderem folgende Frage­stellungen:

  • Wie reagieren wir auf einen Nach­frage­einbruch?
  • Haben wir die nötige Agilität, um rasch und wirksam reagieren zu können?
  • Mit welchen Marktleistungen reagieren wir in einem solchen Fall?
  • Wie viel Finanzreserven müssen vorhanden sein, um dies durch­stehen zu können?

Kunst der Strategie­entwicklung

Internationalisierung, Digitalisierung, Dere­gulie­rungen und viele weitere Faktoren machen die Wirtschaft komplexer denn je. So gehört heute eine Unternehmensstrategie, die sowohl ziel­gerichtete Wachstumspläne wie auch Über­lebens­pläne umfasst, zum Werkzeug guter Unternehmens­führung. Die Kunst in der Strategie­ntwicklung besteht darin, aus den unzähligen Methoden jene wenigen Instru­mente auszuwählen, die für die spezifische Unternehmens- und Marktsituation am aussagekräftigsten sind. Starre Standard­methoden sind kaum zielführend. Ebenso erfolgs­entscheidend ist, dass Strategien mit neutraler Sicht, frei von interner Politik und blinden Flecken, entwickelt und auch effektiv umgesetzt werden.

Quelle: auch erschienen auf bexio.com, willipartner.ch, skuani.com

2 Kommentare

  1. Da kann ich Ihnen nur zustimmen! Es braucht immer beides: offensive Strategien (Wachstum) und Defensivstrategien (Überleben).

    Sehr gute Knowhow-Artikel, weiter so!

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