Der Irrglaube von den introvertierten und extrovertierten Chefs

Von wegen Introvertierte und Extro­vertierte! Es gibt in dem Thema weit­verbreitete fatale Fehl­annahmen. Wir zeigen die Ursachen dafür und wie erstaun­lich einfach Sie mit Ihrem Führungs­team zum Erfolg gelangen.

Der Coronavirus macht die aktuelle Lage schwierig. Bleiben Sie gesund! Gerade deshalb ist es jetzt umso wichtiger, unternehmerisch auch nach vorne zu schauen und Stillstand unbedingt zu vermeiden. Dieser Artikel dient Ihnen als Hilfestellung und Impuls.

Es gibt deutlich mehr extro­ver­tierte Führungs­kräfte als intro­ver­tierte. Das zeigt unsere Führungscoaching-Praxis. Warum ist das so? Unsere Erfahrung zeigt drei besonders häufige Ursachen, weshalb Führungs­kräfte deutlich öfters extro­ver­tierte Persönlich­keiten sind:

  1. Extrovertierte suchen generell viel eher den Wettbewerb und wollen sich nach vorne kämpfen. Dem Intro­ver­tierten widerstrebt dies in der Regel schon mal ganz grund­sätzlich.
  2. Im Weiteren weiss man, dass man gerne seines­gleichen um sich schart. Das heisst, die bestehenden Führungs­kräfte, eben über­proportional oft Extro­ver­tierte, fördern tendenziell Extro­ver­tierte.
  3. Introvertierte liegt oft nicht besonders viel daran, im Mittel­punkt zu stehen. Extro­ver­tierte hingegen suchen viel eher das Rampen­licht, das eben auch eine Führungs­rolle mit sich bringt.

Die weitverbreiteten Fehl­annahmen über Intro­ver­tierte und Extro­ver­tierte

Introvertierte Personen gelten vielerorts als wenig kommuni­kativ, verschlossen und konflikt­scheu. Extro­ver­tierten schreibt man hingegen zu, dass sie sehr gut kommuni­zieren, optimistisch und offen seien. All die Verhaltens­weisen extro­ver­tierter Chefs verbindet man gemeinhin mit den Fähig­keiten und Verhaltens­weisen, die eine Top-Führungskraft haben muss.

Das ist aber nicht einfach so! Intro­ver­tierte Führungs­kräfte können ebenso gute Kommunika­toren sein, ebenso gute Leader sein, teils gar deutlich bessere.

Die Stärken introvertierter Führungskräfte

Es gibt in der breiten Bevölkerung viele Fehl­annahmen bezüglich der Introversion. Darum verwenden wir anstelle von „introvertiert“ bewusst das Wort „zurückhaltend“. Denn introvertiert ist oft mit vielen Vorur­teilen beladen. „Zurückhaltend“ ist einfach und für jedermann klar verständlich. Es gibt unzählige Stärken zurückhaltender Persönlichkeits­ausprägungen. Hier die drei wichtigsten Stärken zurückhaltender Führungs­kräfte:

  • Berechenbar für die Mitarbei­tenden wirkend, was Ruhe und Stabilität in die Organi­sa­tion bringt
  • Präzise in der Auftrags­erteilung und den Anweisungen, das Klar­heit und Sicher­heit bringt
  • Diszipliniertes und ruhiges Verhalten, was für die Mitarbei­tenden ein gutes Vorbild darstellt

Die Stärken extrovertierter Führungs­kräfte

Bezüglich der Extroversion gibt ebenso viele Fehl­annahmen und Vorurteile. So verwenden wir anstelle von „extrovertiert“ bewusst den Begriff „bestimmt“. „Bestimmt“ ist für alle unmissver­ständ­lich klar. Es gibt unzählige Stärken bestimmter Persönlichkeits­ausprägungen. Hier die drei wichtigsten Stärken bestimmter Chefs:

  • Entscheidungsstark und wenig zögerlich, wenn es auch um wichtige Entschlüsse geht
  • Richtungsweisend, was den Mitarbei­tenden Orientie­rung und Sicher­heit gibt
  • Inspirierend für die Mitarbeitenden, sich zu beteiligen und mitzuge­stalten

Der Irrglaube vom Kästchen­denken Extro­ver­tierte / Intro­ver­tierte

Dass jemand einfach bestimmt (extrovertiert) oder zurückhaltend (introvertiert) sei, ist ein sehr weit verbreiteter Irrglaube. Jeder hat Anteile beider Verhaltens­tendenzen. Diese sind zudem je nach Rolle, Kontext und Situation oft noch unter­schiedlich ausgeprägt. Also, von wegen „die“ Extro­vertierten und „die“ Intro­vertierten!

Wir sind alle beides. Und wir sind noch viel differenzierter und weitaus vielschichtiger. Menschen sind komplexe Wesen. Es gibt unzählige Verhaltens­tendenzen, nicht einfach jene zwei oder ein paar mehr. Dabei kann man bei jeder Person auf einer Vielzahl an Stärken aufbauen und ihnen mittels systematischen Coachings situatives Verhalten gezielt aneignen.

Erfolgreiche Führungsteams sind divers

Schlagkräftige, hochwirksame Führungs­teams leben von Diversität, besonders auch bezüglich der Persönlichkeits­ausprägungen. So brauchen Sie in Ihrem Führungs­team immer bestimmte wie auch zurückhaltende Persönlich­keiten.

„Die Mischung, die Team­konstellation, das gegenseitige Verständnis und die Wert­schätzung macht den Teamerfolg!“

Wir bauen bei unseren Führungs­coachings seit Jahren auf das wirksame persolog® Modell (DISG-Assessment). Immer im Fokus bei allen unseren Einzel- und Team­coachings: Stärken stärken und situatives Verhalten gezielt verbessern.

Was sind Ihre Erfahrungen? Wo stehen Sie mit Ihren Führungs­kräften und Ihrer Führungs­crew als echtes Team? Was sind Ihre grössten Heraus­forde­rungen?

Quelle: Artikel auch erschienen auf it-markt.ch

2 Kommentare

  1. Danke für den interessanten Beitrag Raphael

    Meine Erfahrung und Sichtweise ist, dass zurückhaltende Persönlichkeiten oft einen guten Bezug zur «inneren Welt» haben. Also gut ihre eigenen Gefühle und Emotionen wahrnehmen können. Oft ist dies auch verbunden mit einer sehr guten Wahrnehmung der Gefühle anderer.

    Wogegen extrovertierten bzw. wie ihr es nennt «bestimmte» Persönlichkeiten viel im Aussen wirken und so eher Gefahr laufen, den Bezug zu sich selber, also die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und Selbstreflektion, zu verlieren. Ich sehe darin eine der Hauptursachen für Bornouts und Depressionen. Aber auch für Korruption und Gesetzüberschreitungen in Führungsetagen.

    Die Philosophie des #bruttonationalglücks geht davon aus, dass es für nachhaltiges Glück und Wohlbefinden eine Ausgewogenheit zwischen inneren und äusseren Faktoren braucht.

    Ich finde daher euren Ansatz, dass es in Teams beide Ausprägungen braucht und man diese nicht in gut oder schlecht einteilen soll,
    super.

    Lieber Gruss, Andreas

  2. Lieber Andreas

    Danke für deinen Kommentar. Es freut mich sehr, dass dir der Beitrag so gut gefällt!

    Ja, den echten, „vollen“ Zugang zu sich ist eine immense Ressource, die für viele ziemliches Neuland ist. Dabei spielen Motivation, Gefühle, Achtsamkeit und weitere Faktoren hinein. Dazu darum auch der Folgebeitrag, der soeben publiziert wurde:
    https://ledergerber-partner.ch/2020/11/23/strategien-selbstfuehrung.

    Ich finde euren Ansatz für nachhaltiges Glück und Wohlbefinden auch sehr spannend. Auf dass jede/r sein Glück findet, gestaltet, lebt!

    Herzliche Grüsse
    Raphael

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