Aufschieben wirkt harmlos und ist auch in Unternehmen weit verbreitet. Was kurzfristig Erleichterung verschafft, erhöht mit der Zeit den Druck, bindet Energie und Ressourcen und kann damit Ihren Erfolg gefährden. Ich zeige Ihnen aus meiner Coachingpraxis, warum Sie oder Ihre Mitarbeitenden Wichtiges aufschieben und mit welchen sieben Strategien der Selbstführung Sie ins Tun kommen.
Die Aufschieberitis-Falle: kurzfristige Erleichterung, langfristig mehr Druck
Die wichtige Aufgabe steht seit Tagen auf Ihrer Pendenzenliste. Das schwierige Gespräch wäre längst fällig, die Entscheidung ebenfalls. Trotzdem finden Sie immer wieder etwas, das zuerst erledigt werden kann. Genau so beginnt «Aufschieberitis» häufig: nicht mit dem bewussten Entscheid, Wichtiges nicht zu tun, sondern mit scheinbar vernünftigen Begründungen wie «Dafür habe ich gerade keine Zeit», «Das mache ich, wenn ich mehr Ruhe habe» oder «Ich brauche zuerst noch mehr Informationen».
Kurzfristig verschafft das Erleichterung. Doch die Aufgabe bleibt liegen, das schwierige Gespräch ungeführt und die wichtige Entscheidung offen. Dabei wird das Zeitfenster kleiner und der Handlungsspielraum enger. Was heute noch in Ruhe angegangen werden könnte, muss später womöglich unter Zeitdruck erledigt oder entschieden werden. Aufgeschobene Themen beschäftigen uns weiter, belasten uns mental und binden Energie, obwohl nichts vorangeht. So wird aus kurzfristiger Entlastung Schritt für Schritt eine Belastung für die eigene Leistungsfähigkeit, die Zusammenarbeit und letztlich den Geschäftserfolg.
Warum Wichtiges trotzdem aufgeschoben wird
Das Paradoxe daran: Oft wissen wir sehr genau, was zu tun wäre, und schieben es trotzdem auf. Je wichtiger, unangenehmer oder anspruchsvoller ein Thema erscheint, desto grösser kann die innere Hürde werden, es anzupacken. Schwierige Gespräche, wichtige Entscheidungen oder komplexe Aufgaben lösen Unsicherheit aus. Auch Perfektionismus kann dazu verleiten, auf bessere Voraussetzungen zu warten, statt einfach zu beginnen.
Unser Arbeitsalltag bietet zudem genügend Möglichkeiten, Wichtiges durch vermeintlich Dringendes zu verdrängen. E-Mails, kleinere Aufgaben oder Detailarbeit fühlen sich produktiv an und liefern schnelle Erfolgserlebnisse, während das eigentlich relevante Thema liegen bleibt. Viele Ursachen des Aufschiebens hängen deshalb unmittelbar mit Selbstführung zusammen: Entscheidend ist, Ablenkungen zu widerstehen, Prioritäten zu halten und Wichtiges trotz innerem Widerstand anzupacken.
Selbstführung zeigt sich im Tun – bevor aus wichtig dringend wird
Selbstführung beginnt dort, wo wir nicht mehr darauf warten, dass sich eine Aufgabe gut anfühlt, sondern sie trotzdem anpacken. Dabei helfen sieben einfache und wirkungsvolle Strategien:
- Trotz innerem Widerstand beginnen: Warten Sie nicht auf den optimalen Moment, sondern starten Sie trotz Unlust oder Unsicherheit mit einem ersten kleinen Schritt. Nehmen Sie das Unangenehmste möglichst zuerst in Angriff.
- Ehrlich priorisieren: Unterscheiden Sie konsequent zwischen wichtig und dringend. Die Eisenhower-Matrix schafft Klarheit.
- Wichtiges terminieren: Planen Sie wichtige Aufgaben mit einem festen Zeitfenster im Kalender ein. Was keinen Platz erhält, wird leicht erneut verschoben.
- Das Warum vor Augen halten: Machen Sie sich bewusst, weshalb eine Aufgabe wichtig ist und was Sie damit erreichen wollen. Das erleichtert den Einstieg.
- Verbindlichkeit schaffen: Klare Termine und Zusagen gegenüber anderen helfen, Vorhaben tatsächlich umzusetzen.
- Den eigenen Fokus schützen: Reduzieren Sie Ablenkungen, schalten Sie Benachrichtigungen aus und seien Sie für konzentriertes Arbeiten zeitweise nicht erreichbar.
- Auf die eigene Leistungsfähigkeit achten: Gönnen Sie sich Pausen und gelegentlich einen Tapetenwechsel. Gehen Sie konstruktiv mit Fehlern um, würdigen Sie Erreichtes und belohnen Sie sich für Fortschritte.
Meine Erfahrung im Führungscoaching zeigt: Wer Wichtiges frühzeitig anpackt, gewinnt Zeit und Handlungsspielraum, reduziert unnötigen Druck und schafft Verlässlichkeit. Gerade weil Aufschieberitis so verbreitet ist, wird konsequente Selbstführung zum Vorteil – für die eigene Leistungsfähigkeit ebenso wie für den Geschäftserfolg.
Wo schieben Sie selbst oder Ihre Mitarbeitenden Wichtiges immer wieder auf? Wie wirkt sich das auf Druck, Entscheidungen und Ihren Erfolg aus? Und was tun Sie heute als Erstes, statt es weiter aufzuschieben?
Quelle: Artikel auch erschienen auf it-markt.ch, Bild: magnific.com/gpointstudio
