Warum Introvertierte die besseren Leader sind

Viele Führungskräfte geben sich oft extro­vertiert, weil sie glauben, dass man dies von ihnen erwartet. Ich nenne Ihnen aus meiner Coaching-Praxis drei Gründe, warum Intro­vertierte aber die besseren Leader sind und wie Sie dies für Ihren Führungs­erfolg umsetzen können.

Das menschliche Verhalten ist komplex. Es gibt nicht «die» Intro­vertierten oder «die» Extro­vertierten. Jeder Mensch zeigt beide Verhaltens­ausprägungen. Die Frage ist nur, in welchem Kontext er welches Verhalten an den Tag legt. Intro­vertierte Menschen sind in sich gekehrt. Sie zeigen sich gegen­über ihrem Umfeld zurück­haltend, ruhig und nach­denklich, was schüchtern und unnahbar wirken kann. Eher intro­vertierte Menschen bevor­zugen Einzel­aktivitäten und tief­gründige Gespräche in kleineren Gruppen. Extro­vertierte Menschen dagegen sind nach aussen gerichtet. Sie treten gegenüber ihrem Umfeld bestimmt, aktiv und gesprächig auf. Eher extro­vertierte Menschen fühlen sich in der Inter­aktion in grösseren Gruppen besonders wohl.

Führungsteams widerspiegeln unser gesellschaft­liches Denken

In unserer auf Aufmerk­sam­keit ausgerichteten Gesellschaft haben es eher intro­vertierte Menschen nicht immer einfach. Oft ziehen die «Lauteren» die Aufmerk­sam­keit auf sich und überzeugen mit ihren kommunikativen Fähig­keiten. Intro­vertierte werden zu wenig gehört.

In der Bevölkerung halten sich beide Verhaltens­aus­prägungen in etwa die Waage. In den oberen Führungs­gremien, den Geschäfts­leitungen, sieht es jedoch anders aus. Was man erahnen kann, wird durch meine Statistiken bestätigt. Seit vielen Jahren arbeite ich in meinen Führungs­coachings mit Persönlich­keits­profilen, dem DISG-Assessment persolog®. Tausende Profile über alle Branchen und Firmen­grössen hinweg zeigen deutlich: Im oberen Management sind die eher extro­vertierten Persönlich­keiten mit durch­schnitt­lich 64 Prozent vertreten, die eher intro­vertierten Persönlich­keiten mit 34 Prozent. Im unteren Management, bei den Team­leitern, ist dieses Verhältnis mit 59 zu 41 Prozent etwas weniger stark ausgeprägt.

Viele Führungs­kräfte geben sich gegen aussen extro­vertiert, obwohl diese Verhaltens­tendenz bei ihnen gar nicht so stark ausgeprägt ist. Man meint, sich stärker extro­vertiert geben zu müssen, obschon man es gar nicht ist. Ganz falsch ist das nicht. Denn ein guter Leader zeigt auch viele extro­vertierte Verhaltens­weisen: leidenschaftlich, entschieden, ausdauernd, durchsetzungsfähig, empathisch und reflektiert – ein echter LEADER eben.

Introvertierte werden noch immer zu oft unterschätzt

Eher introvertierte Persön­lich­keiten können dies jedoch genauso gut – wenn nicht noch besser. Und müssten sich gar nicht so anders geben, als sie sind. Denn wer nachdenkt, versteht. In der Ruhe liegt die Kraft. Es sind drei fundamentale Gründe, warum Intro­vertierte die besseren Leader sind:

1. Entscheidungen durchdacht fällen

Introvertierte denken erst nach, bevor sie sprechen und zur Tat schreiten. Entscheidungen sind durchdacht und begründet. Anstatt impulsiv und zu kurz­ent­schlossen, was oft nach­gebessert und wieder korrigiert werden muss. Denn durchdachte Entscheidungen wirken auf die Mitarbei­tenden berechenbar. Das bringt Ruhe und Stabilität in die Organisa­tion.

2. Eigenverantwortung stärken

Eher Introvertierte sind tief­gründiger, hören genauer hin. Sie schaffen eine Unternehmens­kultur, in der sich Mitarbei­tende ernst genommen fühlen und sich mit ihren Ideen aktiv einbringen. Das wirkt sich unmittelbar auf ihre Eigen­verant­wortung aus. Es etabliert sich eine tragfähige Ownership-Kultur, in der Mitarbei­tende nicht nur Aufgaben übernehmen, sondern auch Verant­wortung. Daraus ergeben sich mehr Initiativen auf allen Ebenen und ein Arbeits­umfeld, das Leistung, Vertrauen und Innovations­fähig­keit systematisch fördert.

3. Situatives Führen im Alltag

Eher Introvertierte handeln überlegter, umsichtiger und disziplinierter. Zu oft führen Führungs­kräfte ihre Mitarbei­tenden im Alltag immer etwa gleich oder immer unter­schied­lich, aber oft nicht so, wie sie sollten. Denn es hängt von der Situation ab, was der Mitarbei­tende gerade braucht. So gibt es nicht «den» Führungs­stil. In der Führungs­entwicklung arbeite ich mit meinen Kunden mit dem wirksamen Tool «situatives Führen»: anweisendes, coachendes, unterstützendes oder delegierendes Führungs­verhalten, stets der Situation angepasst. Es braucht den Überblick des überlegten, umsichtigen Leaders, um im Alltag situatives Führen erfolgreich anwenden zu können.

Wie erleben Sie extro­vertiertes und intro­vertiertes Verhalten? Wie erleben Sie sich und Ihre Führungs­kräfte? Was sind Ihre grössten Heraus­forde­rungen?

Quelle: Artikel auch erschienen auf it-markt.ch, Bild: freepik/freepik

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