Veränderungsunwillige Mitarbeitende? So gewinnen Sie diese!

Veränderungsprozesse gehören in der Führung zum Anspruchs­vollsten – denn alle wollen Veränderung, aber nicht bei sich selbst, sondern bei anderen. Umso entscheidender ist, dass Sie Ihre Mitarbei­tenden bei ihren unterschied­lichen Persönlich­keiten dort abholen. Ich zeige Ihnen aus meiner Coaching-Praxis, wie Sie veränderungs­unwillige Mitarbeitende für den grossen Change gewinnen.

Wo Menschen zusammenarbeiten, treffen auch verschiedene Persönlich­keiten aufeinander. Das persolog DISG-Profil erfasst Persönlich­keiten in vier Verhaltens­tendenzen, die wir alle mehr oder weniger in uns tragen. Dominant: eher aufgaben­orientiert und eher bestimmt auftretend (extrovertiert); initiativ: eher menschen­orientiert und eher bestimmt auftretend (extrovertiert); stetig: eher menschen­orientiert und eher zurück­haltend (introvertiert); gewissenhaft: eher aufgaben­orientiert und eher zurück­haltend (introvertiert).

In Veränderungsprozessen brauchen wir alle Persönlich­keiten. Sie alle sind wichtig und unersetzlich für den Geschäfts­erfolg. Dominant: starker Leader, der Probleme gerne anpackt und entscheidungs­stark ist; initiativ: kommunikativ-emotionaler Leader, der die Mitarbei­tenden für Neues gewinnen kann und breit akzeptiert ist; stetig: starker Umsetzer, der unterstützt, wirksam zusammen­arbeitet und Wert­schätzung erhalten will; gewissenhaft: Experte in seinem Fach­bereich, der für Struktur und Qualität steht und Dinge richtig machen will.

Warnsignale von Veränderungs­unwilligkeit erkennen

Alle wollen Veränderung – es soll besser werden. Aber nur wenige wollen sich selbst verändern. Verändern sollen sich die anderen. So unterschied­lich die Persönlich­keiten, so unterschiedlich zeigt sich Veränderungs­unwilligkeit. Dominant: greift verbal an, argumentiert dagegen, macht Vorwürfe, polemisiert, droht direkt oder indirekt; initiativ: greift nonverbal an, regt sich auf, sucht Verbündete, beteiligt sich an Gerüchten, verbreitet Unruhe; stetig: zieht sich zurück, schweigt, ist unauf­merksam, zeigt Gleichgültig­keit, ist lustlos und erschöpft, kündigt innerlich; gewissenhaft: zieht sich zurück, zieht Dinge ins Lächerliche, debattiert Unwichtiges, schweigt oder kocht innerlich, weicht Gesprächen aus.

So zeigen Sie Veränderungs­notwendigkeit wirkungsvoll (Sollen)

Veränderungsprozesse beginnen damit, dass jeder die Notwendig­keit für Veränderung versteht und annimmt. Die Probleme der gegenwärtigen Situation und die daraus abgeleiteten Ziele der Veränderung müssen aufgezeigt werden. Das «Sollen» muss je nach Persönlichkeit anders kommuniziert werden. Dominant – das «Was» im Fokus: Ziele transparent, klar und glaubwürdig kommunizieren, schnell erreichbare Zwischenziele aufzeigen; initiativ – das «Wer» im Fokus: Ziele emotional ansprechend kommunizieren, Status der Veränderung transparent kommunizieren, formellen und auch informellen Austausch pflegen; stetig – das «Wie» im Fokus: konkret kommunizieren, wie die Veränderung aussehen soll, persönliche Sicherheit zusichern, langfristige Vorteile der Veränderung gegenüber kurzfristigen Nachteilen konkret aufzeigen; gewissenhaft – das «Warum» im Fokus: konkret kommunizieren, warum die Veränderung unverzichtbar ist, detaillierte Informationen geben, wie die Veränderung von Ist zu Soll aussehen wird.

So erreichen Sie Veränderungs­fähigkeit (Können)

Nachdem das «Sollen» klar ist, geht es darum, die verschiedenen Persönlich­keiten für die Veränderung zu befähigen. Für das «Können» brauchen die Mitarbei­tenden Unterschiedliches. Dominant: neue Vorschläge aufnehmen und fördern, Hilfsmittel für schnell erreichbare Ergebnisse anbieten; initiativ: Kommunikation und Austausch ermöglichen und fördern, Involvierung gezielt fördern; stetig: ausreichend Zeit geben, Wissen und Hilfsmittel anbieten, kollegiale Beratung ermöglichen; gewissenhaft: Aktivitäten organisieren lassen, Zahlen, Daten, Fakten sammeln und analysieren lassen.

So erreichen Sie Veränderungs­wille (Wollen)

Auf dem «Sollen» und dem «Können» aufbauend gilt es, in Veränderungs­prozessen den Veränderungs­willen laufend zu stärken. Das gelingt je nach Persönlich­keit unterschiedlich. Dominant: auf Eigenantrieb setzen anstatt Druck ausüben, Raum für eigen­verantwort­liches Gestalten bieten; initiativ: Zuversicht zeigen und kommunizieren, Anerkennung und Lob ausdrücken; stetig: aufzeigen, wie die eigene Einstellung die Motivation steigern kann, Raum bieten, um Neues zu verinnerlichen; gewissenhaft: Möglich­keiten bieten, nicht mehr passende Strukturen zu ändern, Raum für fundierte Analyse bieten.

Meine Erfahrung aus der Coaching-Praxis zeigt, dass Menschen zu verstehen und entsprechend ihrer Persönlich­keit abzuholen für den Geschäfts­erfolg entscheidend ist. Wo stehen Sie und Ihre Mitarbei­tende bezüglich des Willens, sich selbst zu verändern? Wie gehen Sie Widerstände und Veränderungs­unwilligkeit an? Wo sehen Sie die grossen Heraus­forderungen?

Quelle: Artikel auch erschienen auf it-markt.ch, Bild: gpointstudio/freepik

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