Toxische Führungskräfte erkennen und richtig handeln

Viele Menschen starten motiviert in die Arbeit – und verlieren diese Motivation schleichend. In der Praxis liegt das selten an der Aufgabe, sondern sehr oft an der Führung. Ich zeige Ihnen aus meiner Coaching­praxis, wie Sie toxische Führung erkennen und richtig handeln.

Während problematisches Verhalten im Team oft schnell erkannt wird, bleibt eine andere Gefahr häufig länger unentdeckt: toxische Führungs­kräfte. Gerade weil Führungs­personen Einfluss und Entscheidungs­hoheit besitzen, wirken sich ihre Verhaltensweisen besonders stark auf die gesamte Organisation aus. Was von oben vorgelebt wird, prägt die Zusammenarbeit, die Kommunikation und letztlich auch die Leistung im Unternehmen. Umso wichtiger ist es, toxische Muster frühzeitig zu erkennen.

Nicht jedes Fehlverhalten ist toxisch

Wir leben in einer stark emotionalisierten Arbeits­welt. Wenn jemand gestresst reagiert, ist sein Verhalten nicht automatisch toxisch. Entscheidend ist die klare Unterscheidung zwischen situativem Fehl­verhalten und einem wieder­kehrenden, destruktiven Muster. Erst die Systematik im Verhalten macht es toxisch.

Die Ursachen toxischer Führung

  1. Kein Vertrauen: Übermässige Kontrolle, Mikro­management und fehlende Entscheidungs­spielräume
  2. Keine Ehrlichkeit: Fehler werden verschwiegen, verdreht oder bewusst falsch dargestellt
  3. Manipulation und Macht­missbrauch: Informationen werden zurückgehalten, Prozesse bleiben bewusst intransparent
  4. Favoritismus: Einzelne Mitarbei­tende werden unfair bevorzugt oder benachteiligt
  5. Wenig Verbindlichkeit: Abmachungen werden nicht eingehalten, Verantwor­tung wird abgeschoben
  6. Wenig Ownership: Führungs­verantwortung wir nicht wirklich übernommen, sondern abgewälzt, relativiert, ignoriert oder mit Ausreden entschuldigt
  7. Negativität tolerieren: Destruktives Gerede über andere wird toleriert oder sogar still mitgetragen
  8. Kaum delegieren und fördern: Verantwor­tung wird nicht sinnvoll übertragen, vieles wird selbst gemacht, Mitarbei­tende werden weder befähigt noch entwickelt
  9. Kaum Empathie und Wertschätzung: Ausgeprägter Mangel an echtem Interesse an Menschen und ihren Perspektiven
  10. Angstkultur fördern: Fehler werden sanktioniert statt als Lern­chance behandelt – Angst ersetzt Lernen
  11. Work-Life-Balance missachten: Private Bedürfnisse werden systematisch dem Job untergeordnet

So zeigt sich toxische Führung im Alltag

  1. Aktiver Widerstand: Vorwürfe, Drohungen, Gerüchte, Schuld­zuweisungen oder Cliquen­bildung
  2. Passiver Widerstand: Rückzug, Gleich­gültigkeit, Energie­verlust und Vermeidung von Gesprächen
  3. Motivation abwürgen: «Nichts gesagt ist Lob genug.»
  4. Geringe emotionale Präsenz: Wenig Herzlich­keit, kaum Interesse an der emotionalen Stimmung im Team
  5. Nur negatives Feedback: Kritik dominiert, konstruktives oder positives Feedback fehlt
  6. Cholerisches Verhalten: Emotionale Unberechen­barkeit und impulsive Reaktionen
  7. Konflikte ignorieren: Spannungen und Probleme werden verdrängt oder totgeschwiegen
  8. Kaum unterstützen: Mitarbei­tende werden bei Problemen oder Über­forderung sich selbst überlassen

Die Auswirkungen toxischer Führungskräfte – ein hoher Preis

  1. Sinkende Motivation: Engagement und Leistungs­bereitschaft nehmen ab
  2. Mehr Frust und Unsicherheit: Ärger, Misstrauen, Anspannung und Angst steigen im Alltag
  3. Leistungsabfall: Qualität, Eigen­verantwortung und Zusammen­arbeit gehen zurück, Silo­denken nimmt zu
  4. Konflikte im Team: Spannungen und zwischen­menschliche Probleme nehmen zu
  5. Steigende Absenzquote: krankheits­bedingte Ausfälle nehmen zu
  6. Höhere Fluktuation: gute Mitarbei­tende verlassen das Unternehmen
  7. Negative Unternehmenskultur: Vertrauen in die Führung bricht ein, destruktive Verhaltens­weisen werden schleichend zur Normalität

«Mitarbeitende kommen wegen dem Job – und gehen wegen der Führungs­kraft.»

Unternehmenswerte leben und toxisches Verhalten ansprechen

Unternehmen mit klar definierten und gelebten Werten schaffen Orientierung. Sie machen deutlich, welches Verhalten erwünscht ist – und wo Grenzen überschritten werden. Dadurch entsteht eine Kultur, die Verantwor­tung, Respekt und Zusammen­arbeit stärkt. Toxisches Verhalten darf nicht übersehen oder relativiert werden. Je früher solche Muster angesprochen werden, desto geringer sind die lang­fristigen Schäden für das Team und die Unternehmens­kultur. Wichtig ist dabei eine klare, direkte Ansprache – ohne Schuld­zuweisung und Klarheit: «Ich nehme wahr, dass dieses Verhalten negative Aus­wirkungen auf das Team hat.»

Welche dieser Verhaltens­weisen erleben Sie im Alltag am häufigsten? Wo begegnen Ihnen diese Dynamiken konkret? Und welche Heraus­forde­rungen ergeben sich daraus für Sie und Ihr Team?

Quelle: Artikel auch erschienen auf it-markt.ch, Bild: Gpointstudio/Magnific

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